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Allgemeine
Musikalische Zeitung
49 - 1847
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Januar. Nr. 2.
Hamburg. Decemberbericht.
(...) Lortzing’s Wildschütz
wurde bei Gelegenheit des Benefizes der oben erwähnten Mad. Fehringer
zur Aufführung gebracht. Die Benefiziatin tat ihr Bestes. Schade,
dass diese Sängerin bei ihrer herrlichen voluminösen Mezzosopranstimme
so wenig Kunstbildung besitzt. (...) |
Februar. Nr. 8.
Novitäten und Kuriosa aus
dem Gebiete der Tonkunst in Frankfurt a./M.
(...)
Novitäten hatten wir: Adam’s
Sennerhütte (nach Scribe von Hartenfels), Lortzing’s
Waffenschmied, und Meyerbeer’s Musik zu Struensee. Neu aufgefrischt
wurden Himmels Fanchon und Ditterdorfs “rotes Käppchen”.
Die Sennerhütte hält sich, aber der Waffenschmied wird gleich
Zar und Zimmermann und dem Wildschütz zur Lieblingsoper werden. (...) |
März. Nr. 12.
Briefe aus Kopenhagen. -
Erster Brief.
(...) Als Novitäten erschienen
erstens Zar und Zimmermann von Lortzing, die erste Oper dieses Komponisten,
welche hier zur Aufführung kam. Sie wurde, da sie den Kräften
des Personals angemessen, sehr gut gegeben, und hat viel Glück gemacht.
(...) |
Mai. Nr. 20.
Hamburg. April.
(...)
Außerdem wurde Lortzing’s
Zar und Zimmermann am 26. gegeben, in welchem Herr Röder als
Gast in der Rolle des van Bett auftrat, so wie an den beiden letzten Tagen
dieses Monats die Montecchi und Capuleti und die Hugenotten. (...) |
Mai. Nr. 20.
Feuilleton.
In Potsdamm ist Lortzing’s
Waffenschmied zu Worms mit großem Erfolg über die Bretter gegangen. |
Juni Nr. 23
Nachrichten.
Gotha, im April 1847. Unsere
diesjährige Theatersaison schloss am 12. April. In dem Zeitraume vom
3. Januar bis dahin kamen 21 Opern und Singspiele zur Aufführung.
Das Repertoire brachte Werke von Weber (5 Mal), von Lortzing
und Bellini (3 Mal), von Donizetti und Flotow (2 Mal),
von Auber, Balfe, Beethoven, Halévy, Herold, Meyerbeer, und
von dem Komponisten der “Zayre” (1 Mal). Neu waren vier Opern: die Musketiere
von Halévy, Oberon von Weber, der Wildschütz
von Lortzing, und die Haimonskinder von Balfe. Neu einstudiert
gingen in Szene zwei Opern: Zampa von Herold, und die Stumme von
Auber. Deutsche Opern kamen 11 Mal zur Aufführung. Es trifft
unsere Bühne also nicht der Vorwurf der Hintansetzung des Vaterländische,
welcher so häufig anderen Bühnen gemacht wird*. Von den neuen
Opern fand “Oberon” den meisten Beifall. Diese Oper ward aber auch so brillant
in Szene gesetzt, und die Maschinerie bewährte sich dabei so tüchtig,
dass sie fast nichts zu wünschen übrig ließ. Lortzing’s
“Wildschütz” gefiel auch; doch den Beifall, welchen dessen “Zar und
Zimmermann” hier gefunden, hat er nicht erringen können. Halévy’s
“Musketiere”, so wie Balfe’s “Haimonskinder” mit ihren vielen
Tanzrhythmen, sprachen das Publikum nur wenig an. Beide erlebten nur eine
Vorstellung. -
*) Beim rezitierenden Schauspiel
war das Verhältnis der deutschen Originale zu den Übersetzungen
52 : 21. |
Juni. Nr. 24.
Nachrichten.
Kassel. Von Oktober 1846
bis April 1847. -
(...)
Aus dem angeführten Zeitabschnitte
heben wir die Opern: Aloise, Regimentstochter, Norma, Freischütz,
Nachtlager, Stradella, Jessonda, weisse Dame, Krondiamanten, Entführung,
Zauberflöte, Wasserträger, Johann von Paris, Puritaner, Zar und
Zimmermann, Zampa, Nachtwandlerin, Liebestrank, Robert, Barbier, Stumme,
Otello hervor, um deren Darstellung sich insbesondere Fräul. Eder,
(als: Regimentstochter, Theophila, Constanze, Prinzessin von Navarra, Elvira
in den Puritanen, Amina, Adine, Isabella, Rosine), Fräul. Burchard
(als: Norma, Agathe, Jessonda, weisse Dame, Prinzessin von Navarra), Fräul.
Molendo
(als: Aloise, Adalgisa, Aennchen, Gabriele, Leonore, Amazili, Blonde, Pamina),
Herr Derska (als: Enrique und Belmonte), Herr Hagen (als:
Sever, Max, Nadori, Pedrillo, Elwin), Herr Föppel (als: Montejo,
Sulpiz, Kaspar, Gaveston, Micheli), Herr Biberhofer (als; Jäger
im Nachtlager, Zar, Barbier), Herr Birnbaum (als: de Puzzi, van
Bett, Bartolo im Barbier) verdient gemacht haben.
(...) |
Juni Nr. 24.
(Fortsetzung).
Dresden (Die Oper). Lortzing’s
Waffenschmied hat seit noch nicht einem Jahre von Wien aus seine Runde
über die Mehrzahl der deutschen Bühnen gemacht. Er ist ja auch
in Leipzig wiederholt gegeben, in diesen Blättern ist seiner mehrfach
gedacht worden, der (sehr gut gearbeitete) Klavierauszug liegt überdies
schon seit längerer Zeit vor: weshalb also jetzt noch Näheres
darüber berichten? - Wenn man bei dem Werke den allerdings hier etwas
pretiös klingenden Titel “Oper” in “Singspiel”verwandelt (und ein
solches ist’s, seiner ganzen Anlage und Behandlung nach, wie das die Kritik
schon längst erkannt und ausgesprochen hat), so werden sich dadurch
von vorn herein die Ansprüche an dasselbe ermäßigen, und
das dürfte dem Werke selbst, das auf’s Neue von Lortzing’s
leicht und anmutig gestaltendem Talent und seinem kenntnisreichen Verständnisse
Zeugniss ablegt, ohne doch an seine früheren Leistungen hinan zureichen,
nur sehr förderlich und ersprießlich sein. Denn mit Ausnahme
einiger sehr glücklich hervortretender Einzelheiten genügt es
höheren Ansprüchen weder in Bezug auf den Text, noch in Bezug
auf die Musik, und sein momentaner Erfolg (auf einen bleibenden möchte
schwerlich zu rechnen sein!) Wird unzweifelhaft durch die Besetzung nd
Darstellung bedingt, wie das freilich in der sogenannten Konversationsoper
stets mehr oder weniger der Fall ist. |
| Dass man Herrn Bäder
den Stadinger, die Partie Staudigl’s, übertragen, war jedenfalls
nicht wohlgetan. Sie ist entschieden eine Gesangpartie, und zur genügenden
Durchführung einer solchen reichen des Künstlers Mittel nicht
aus, wenn wir auch gern anerkennen, dass er im Ganzen möglichst Fleiß
anwendete, sich vor den ihm sonst so geläufigen Übertreibungen
tunlichst hütete, und man das wohltuende Streben wahrnahm, nicht die
eigene Persönlichkeit, sondern den vorgeschriebenen Charakter darzustellen.
Ließ dies Streben in einzelnen Momenten nach, ward besonders bei
den eingelegten Dacapoversen des Liedes im dritten Akte (warum wählte
der Darsteller nicht die vom Komponisten für diesen Zweck vorgeschriebenen?)
durch deren ganz lokale und moderne Färbung die Illusion gänzlich
gestört und das Ganze dadurch in’s Gebiet der Lokalposse hinab gezogen,
so mag das mit Rücksicht auf die Verhältnisse und die Individualität
des Künstlers Entschuldigung finden. - Zur Darstellung der Marie gehört
eine leichtgewandte, naiv-graziöse Soubrette, die wir in Fräulein
Marpurg
leider nicht ausreichend besitzen, und wenn die vom Komponisten mit Vorliebe
und vieler Laune behandelte altjüngferliche Irmentraut in die Hände
eines Fräul. Claus gelegt wird, der alle Requisiten für
dieselbe mangeln, da muss sie freilich in ihrer Wirkung gänzlich neutralisiert
werden. Stärkeres Durchschimmern der Ritterlichkeit unter dem Schurzfell
wäre gewiss für Herrn Mitterwurzer (Graf Liebenau) wünschenswert
gewesen, auch wollte ihm eine charakteristischere Färbung der mittelalterlichen
Ritterhaltung nicht ganz gelingen - er erschien zu modern, wenn auch im
Übrigen sehr geeignet für die Partie - Das lebendige Spiel Georg’s
(Herr Mende) trug sehr günstigen Aufnahme mancher einzelnen
Nummer nicht unwesentlich bei; dagegen wäre für den Ritter Adelhof
ein genügenderer Repräsentant, als Herr Wächter,
gewiss freudig begrüsst worden. Ließ die Ausstattung der Oper
sich unbedingt den besseren beizählen, so ward doch ein vollkommen
ineinandergreifendes Zusammenspiel noch vermisst, und die Aufnahme des
Werkes war ziemlich lau - man schien mehr erwartet zu haben. |
Juli. Nr. 30.
Nachrichten.
Musikzustände in Riga.
(Fortsetzung)
Ringelhardt’s Direktion. - Sängervereine.
- Gastspiel. - Der Mann ist schöner als das Weib. - Liedertafeln.
- Kleinkinderbewahranstalten. - Singvereine.
Ich sollte nun von der Hauptsache,
dem Zustande der Oper auf der Bühne unter Ringelhardt’s Direktion
sprechen; allein es hieße die Stellung Leipzigs zu Deutschland verkennen,
wollte man nicht annehmen, dass von dort aus die Grundzüge der Ringelhardt’schen
Direktionsführung allgemein bekannt wären. Man ist ziemlich einstimmig
mit dem, was Herr R. biete, höchst unzufrieden; allein er ist
ebenso unzufrieden mit den Einnahmen und sagt zum Publikum: tut ihr zuerst
mehr, dann werde ich auch mehr tun. Ein Versuch, in diesen alten ewig wiederholten
Streitfragen das Recht zu ermitteln, gehört nicht hierher, darum nur
einige Notizen über das Personal, die aufgeführten Sachen und
das Gastspiel von Fräul. von Marra.
(...) |
| Von neuen Opern hörten wir
außer dem genannten “Brautfest” von Schrameck: Undine, Casanova,
der Waffenschmied. Dazu kamen ausreichende Wiederholungen der drei älteren
Lortzing’schen Opern, ferner Juan, Figaro;s Hochzeit, Hans Heiling,
Jessonda, der Templer,
Grétry’s Blaubart, Adlers Horst, so
dass wir über Vernachlässigung deutscher Musik nicht klagen durften,
(...) |
August. Nr. 33.
Nachrichten
Hamburg. Julimonat. Der abgewichene
Monat brachte uns eine neue Oper, die erste seit der nunmehr dreimonatlichen
Geschäftsführung der neuen Direktion unseres Stadttheaters. Lortzing’s
gemütlich prosaischer Muse ist das Glück zu Teil geworden, den
Novitätenreigen diesjähriger Saison eröffnen, und sein Waffenschmidt
von Worms, komische Oper in drei Aufzügen, wurde am 25. Juli zum ersten
Male den Brettern anvertraut. Es ist dies ein Werk, welches die früheren
Leistungen des Komponisten weder überragt, noch auch als niedriger
rangierend angesehen werden kann. Lortzing’s sämtliche Leistungen
tragen in dieser Beziehung einen ziemlich stabilen Charakter. An Form und
Gehalt sind sich alle ähnlich. Einige hübsche Lieder mit ansprechender
Melodie, ein oder der andere gut gelungene Chor, mitunter eine passabel
originelle Idee, das ist so ziemlich alles Bemerkenswerte, was auch in
dieser Oper dem Zuhörer geboten wird. Dagegen aber stoßen wir
mehr als zu oft auf unbedeutende, nichtssagende Motive, die ungebührlich
breit ausgesponnen werden, auf eine Anzahl von Reminiszenzen, und einen
höchst lockeren Zusammenhang des Ganzen. Dazu kommt noch die zum Bedauern
ärmliche Handlung, der lahme Gang derselben und ein steifer, in musikalischer
Hinsicht teilweise höchst unfügsamer Dialog. Ungeachtet einiger
sehr interessanter Einzelheiten, hinterlässt daher das ganze nur einen
sehr matten Totaleindruck. Die Darstellung ging im Allgemeinen sehr gut
von Statten, namentlich war es der Tenorist Herr Kaps als Knappe
Georg, der seiner Rolle in jeder Beziehung Ehre machte: sein erstes Lied
musste wiederholt werden. Auch Madame Fehringer wusste ihrem
Part, als Tochter des Waffenschmiedes, Interesse, und namentlich dem Terzett
im Finale des ersten Aktes durch originellen Vortrag Würze zu verleihen.
Die Titelrolle war in Händen des Herrn Bost, der zwar nicht
viel aus derselben zu machen wusste, indessen einzelne gute Momente hatte,
und im Übrigen nichts verdarb. Unter dem Auditorium machte sich kein
besonderes Interesse für die Novität bemerklich, und die zweite
Vorstellung derselben, welche am 29.d.M. statt fand, war nur wenig besucht. |
August. Nr. 34.
Nachrichten.
Frankfurt a./M.
(...)
Lortzing’s Undine ist hier
mit brillanter Maschinerie (von Herrn Muhldorfer) zum ersten Mal
über die Bühne gegangen, hat nach kühnen Zensurstrichen
sehr gefallen, und wird sich demnach wohl auf unserem Repertoire erhalten.
Viel wird wieder über den Wert der Musik gestritten. Doch sind die
Sachverständigen darüber einig, dass sie Lortzing’s reiches
Talent auf’s Neue bekundet, und er in diesem Werk wahre Schätze der
Harmonie niedergelegt hat. Von einer aphoristischen, unruhigen und fantastischen
Originalität verwöhnt, wollen wir an eine solide, klare und nicht
nach Effekten jagende kaum mehr glauben. Aber Lortzing lass’ es
gut sein, die Zukunft, die Schlichterin alles Reellen, wird entscheiden.
(C.G.) |
September. Nr. 36.
Nachrichten.
Coburg. - Kurze Übersicht.
Am 11. April beschloss die Oper zu Gotha ihre Vorstellungen mit Bruchstücken
aus den Hugenotten und Fidelio, und am 18. April begann die Oper ihre Vorstellungen
in Coburg mit Bruchstücken aus dem Freischütz. Ein neuer Fortschritt,
den unsere gediegene Zeit der dramatisch-musikalischen Kunst angewiesen!
- Romeo und Julie, die vier Haimonskinder, die Puritaner, Zayre, Alessandro
Stradella, der Wildschütz, die Stumme von Portici, die Hugenotten,
die Nachtwandlerin (verstümmelt), der Freischütz (gebruchstückt),
Lucrezia Borgia (geaphorismet), noch einmal Zayre, und noch einmal Alessandro
Stradella folgten. (...) |
September. Nr. 39.
Feuilleton.
In Koffka’s Verlag in Leipzig erscheint
eine Sammlung der Bücher von Lortzing’s Opern. Der erste Band
ist bereits erschien und enthält: Der Pole und sein Kind. - Zar und
Zimmermann. - Caramo oder das Fischerstechen. |
Oktober. Nr. 40.
Feuilleton.
Lortzing’s neueste Oper in drei
Aufzügen, unter dem Titel: “Zum Großadmiral” wird in der nächsten
Zeit in Wien zur Aufführung kommen. |
November. Nr. 44.
Nachrichten.
Frankfurt a.M. Über
unsere musikalischen Zustände ist nur wenig zu sagen. Die meisten
Dinge gehen ihren Schnecken- oder Krebsgang fort, denn nur Gewohnheit ist
der Kitt der meisten Gesellschaften, und größtenteils auch die
Anziehungskraft des Publikums. |
| Die Oper, hier wie überall,
gleicht einer Uhr, welche das Publikum in seiner Tasche hat. Es sieht gleichgiltig
nach dem Zifferblatt, ohne sich um die kunstreiche Konstruktion zu bekümmern,
und weiß doch eigentlich nicht, wie viel es geschlagen hat. Das unbedeutendste
Rädchen ist oft Ursache, dass das ganze Räderwerk still steht,
und von der Kritik aufgezogen, geht es gewöhnlich doch nach. Die Interessen
für unsere Oper drehen sich jetzt nur um Oberon, Undine und Prinz
Eugen. Die beiden letzten sind neu, und zu Glück ausgeschlagen. Oberon
wird auch als neu betrachtet, da er, wie seine Feenschwester, Undine, in
Prachtgewänder gehüllt ist. Man sollte aber jede Oper
glanzvoll ausstatten, damit das Publikum angezogen, endlich auch in die
Ideen dringe. Manche Melodie, anfangs nicht verstanden, würde am Ende
doch Wurzel fassen. Allein ich fürchte, Herr Mühldorfer
von Mannheim hat durch seine kunstreiche Maschinerie unser Auge auf Kosten
des Ohres verführt, und, beide Opern wieder einfach wie früher
gegeben, werden dadurch ihre Attraktion verlieren. Es käme auf den
versuch an, und ich fürchte Recht zu haben. Jedenfalls muss es peinlich
sein für den Künstler, sich durch äußere Dinge in
den Schatten gestellt zu sehen. (...) |
November. Nr. 44.
Rezension.
Liederschau.
3. Improvisationen. Drei Lieder
mit Begleitung des Pianoforte von A. Lortzing, von C.G. Reissiger
und C. Lasekk. Dresden, bei Meser. Preis 15 Ngr. |
| Der Titel “Improvisationen” kann
hier offenbar nur auf die Gedichte (von J.W. Elb) Beziehung haben, denn
die Kompositionen tragen sämtlich das Gepräge fleißiger,
wohlbedachter Arbeit an der Stirn. Wir müssen ein jedes in der musikalischen
Behandlung wohl gelungen nennen, allein die Krone dem zweiten von Reissiger
reichen, das sich melodischen Zauber ganz vorzüglich auszeichnet.
Unsere Leser wollen sich dieses wertvolle Heft nicht entgehen lassen. |
November. Nr. 45.
Nachrichten.
Strassburg.
(...)
Die deutsche Oper, unter der Direktion
des Herrn Loewe von Mainz, eröffnete ihre Darstellungen am
2. Mai mit Otello. Bis zum 2. Juni wurden in Allem 13 Opern in 18 Vorstellungen
gegeben. Neu waren hier die Haimonskinder und die noch nicht französisch
gegebenen Musketiere der Königin, mit großem Aufwand. Die Hauptmitglieder
der Gesellschaft bestanden aus bloßen Gästen. Mad. Ernst-Kaiser
(Wien), Flintzer-Haupt (Leipzig), die HH. Bielczizki (Dresden),
Meinhard
(Wiesbaden), Koch, Bassist (?); auch der oben genannte Tenorist
Hüner
gab den Raoul in den Hugenotten; endlich der Komiker
Freund (Mannheim).
Ein Chorpersonal von 24 Personen erhöhte ungemein den Glanz und die
Wirkung der sämtlichen Darstellungen. Die ausgezeichneteste, mit stürmischem
Beifall aufgenommene war Norma, was schon die bloße Besetzung der
Titelrolle durch Mad. Flintzer-Haupt, der Adalgisa durch M. Ernst-Kaiser,
Sever durch Hrn. Lehmann und Orovist durch Hrn.Meinhard in
hohem Grade rechtfertigt. Die übrigen Opern: Freischütz, Zar,
Regimentstochter, Don Juan, Tell, Zauberflöte, worin Mad. Fl.-Haupt
als Königin der Nacht den ganzen Umfang ihres schönen Organs
zu zeigen Gelegenheit hatte, da sie die Partie sang wie sie Mozart schrieb;
endlich das Opferfest. - Herr Freund, als Bürgermeister im
Zar und als Schulmeister im Wildschütz, wurde allgemein, auch dieses
Jahr, wieder freudig empfangen.
(...) |
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