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Allgemeine
Musikalische Zeitung
47 - 1845
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Januar. No. 4.
Feuilleton.
Lortzing hat einen neue romantische
Oper “Undine” vollendet, welche diesen Winter zunächst in Hamburg
unter eigener Leitung des Komponisten aufgeführt werden und bei Breitkopf
und Härtel im Druck erscheinen soll. |
Januar. No. 5.
Feuilleton.
In Russland wird Lortzing’s
Zar und Zimmermann unter dem Titel: “Flandrische Abenteuer” aufgeführt.
Der Zar ist in den deutschen König Maximilian I. verwandelt, der unter
dem Namen Max Sternberger als Zimmergeselle in Flandern arbeitet. So ging
die Oper in Riga in Szene. |
Februar. No. 9.
Frankfurt. Musik vom 1. Oktober
bis zum 31. Dezember. Gewichtige und gepanzerte Opern wurden gegeben: Medea,
Tell, Fidelio, Cortez, Euryanthe; Mozart’sche: Figaro, Entführung,
Don Juan; neu einstudierte: Das Opferfest, Doktor und Apotheker; andere
deutsche Opern: Der Freischütz, Das Nachtlager, Zar und Zimmermann,
Der Wildschütz; französische: Johann von Paris, Aschenbrödel,
Weiße Dame, Postillion von Lonjumeau, Wasserträger, Zampa; italienische:
Lucrezia Borgia, Belisar, Norma; Liederspiele: Muttersegen, Mariette und
Jeanneton, Kapellmeister von Venedig. - Wir sehen daraus, dass klassische
Opern die Mehrzahl bilden. |
April. No. 15.
Nachrichten.
Dresden. (Fortsetzung). In
der ersten Hälfte der Saison, d.h. in den drei Monaten Oktober, November,
Dezember v.J., sahen wir neun verschiedene deutsche Opern: von Gluck
(Armide), Weber (Oberon, Freischütz, Euryanthe), Spohr
(Jessonda), Marschner (Templer), Lortzing (Zar, Wildschütz),
Wagner
(Rienzi); fünf italienische: von Rossini (Barbier),
Bellini
(Capuleti, in italienischer Sprache), Donizetti (Don Pasquale, Liebsetrank,
Regimentstochter); vier französische: von Meyerbeer (Hugenotten),
Halévy
(Jüdin), Spontini (Vestalin),
Lvoff (Bianca und Gualtiero).
(...) |
Mai. No. 19.
Feuilleton.
Lortzing’s Undine hat in
Hamburg (wie bald nachher in Magdeburg) entschiedenen Beifall gefunden;
der Komponist, welcher die erste Aufführung selbst leitete, wurde
zwei Mal gerufen. |
Juni. No. 23.
Feuilleton.
Die beiden Musikdirektoren des Leipziger
Stadttheaters, Lortzing und Netzer, gehen von da ab. Wie
es heißt, wird Lortzing die ihm angetragene Kapellmeisterstelle
am Theater an der Wien annehmen. Das letztere ist kürzlich auf dem
Wege der Zwangsversteigerung für 199,000 Fl. in Pokorny’s Eigentum
übergegangen. |
Juli. No. 27.
Feuilleton.
Lortzing’s Zar und Zimmermann
ist nunmehr auch in das Dänische und Schwedische übersetzt und
sollte in Stockholm zur Ausführung kommen. |
Juli. No. 29
Nachrichten.
Berlin, 1 Juli 1845.
(...) - Der Tenorist Reer
schloss seine Gastrollen mit dem Peter Iwanoff in Lortzing’s “Zar
und Zimmermann” beifällig, in welcher Oper Fräul. Tuczeck
zum ersten Male die Marie höchst anmutig sang und darstellte. Fräul.
Schneider aus Gotha zeigte sich in dem Quodlibet “Versuche” von
L. Schneider als talentvolle Anfängerin. - (...) |
Juli. No. 30.
Nachrichten.
Cassel, Juni 1845
(...) Fräul. Mehr vom
Stadttheater zu Bremen entwickelte bei ihrem ersten Debut als Marie im
“Zar und Zimmermann” neben einem angemessenen Spiel und richtiger Deklamation
im rezitierenden Dialoge manche sehr achtungswerte Eigenschaften des Gesangvortrages,
als: Richtigkeit der Auffassung und Genauigkeit der Ausführung, Reinheit
und Festigkeit der Intonation, regelrechte Bildung und Verbindung der Töne
und Reinheit der Vokalisation. Aber der Klang der Stimme ist, wenn gleich
meist kunstgerecht formiert und im Piano und Mezzoforte vorzugsweise angenehm,
doch nicht für alle Fälle intensiv stark genug, sondern zuweilen
sogar auffallend dünn und darum vorzugsweise für Soubrettenpartien
zu verwenden. Die übrigen Partien der Oper waren in den besten Händen
und wurden auf höchst befriedigende Weise ausgeführt; namentlich
zeichneten sich die Herren Biberhofer (Zar) und Birnbaum
(van Bett) auch diesmal wieder seht vorteilhaft aus. Zum zweiten Debut
hatte Fräul. Mehr die Rolle des Annchen gewählt und erwarb
sich auch darin wiederholten Beifall; nach Beendigung der Vorstellung wurde
sie gerufen.
(...) |
August. No. 33.
Nachrichten.
Frankfurt a.M. 1 Apr. - 31
Jul.
(...) Von Gästen hatten wir
(...) Herrn Fernan von Rostock, der en Grafen von Eberbach im Wildschütz
gab. (...) |
September. No. 39.
Nachrichten.
Hamburg. Im August. (...)
-
Während Fräul. Lind
in Schwerin gastierte, ging die neue Oper von Lortzing: “Undine”
hier mit großer Pracht in Szene. Die Dekorationen dazu waren von
dem rühmlichst bekannten Mühlendorfer aus Mannheim angefertigt,
der gleich dem Komponisten zu den ersten Vorstellungen von der Direktion
herberufen war. Die Oper hat nur geteilten Beifall gefunden. Die Ausführung
von Seiten der Sänger war aber auch keineswegs von der Art, dass der
Komponist Ursache hat, damit zufrieden zu sein. Ohne Zweifel hätte
die Oper zu einer günstigeren Theaterzeit, z.B. im Winter, und bei
einer besseren Besetzung einen glücklicheren Sukzess gehabt. Die Musik
ist teilweise sehr hübsch, wenn man sich auch gestehen muss, dass
Lortzing in dem romantischen Genre bei weitem weniger glücklich
ist, als in dem komischen. Daher sind die gelungeneren, wenigstens die
wirksamsten Nummern die humoristischen in dieser Oper. Die erste Vorstellung
ward auch noch durch einige Längen, die bei der Wiederholung zweckmäßig
ausgeschieden wurden, benachteiligt. Über das Buch lässt sich
nicht viel Lobendes sagen: fast möchte man versucht sein, es als einen
Fehlgriff des sonst so bühnengewandten Verfassers zu bezeichnen, d.h.
die Art und Weise, wie er das Sujet als Operntext zugestutzt hat. - Der
Komponist empfing übrigens hier die ehrendsten Anerkennungen seines
Talentes und ward auch mehrere Male noch durch hervorruf ausgezeichnet.
Die Oper ist bis jetzt sechs Mal gegeben. Ob sie im nächsten Winter
wieder auf’s Repertoire kommen wird, steht noch in Frage. - (...) |
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